Was tun bei Burnout? 7 Schritte für Prävention und Orientierung

Astrid Dietrich

Juni 5, 2026

In diesem Beitrag

🚨 Akute Krise oder Suizidgedanken?

Wenn du gerade nicht weiterweißt, ist sofortige Hilfe wichtiger als dieser Artikel:
  • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 (kostenfrei, 24/7, anonym)
  • Nummer gegen Kummer (Erwachsene + Eltern): 116 123
  • Akute Lebensgefahr: Notruf 112
Dieser Artikel ersetzt KEINE ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Bei anhaltenden Symptomen: Hausärztin oder psychotherapeutische Sprechstunde.
TL;DR: Was tun bei Burnout-Warnsignalen in 100 Wörtern:

Wenn du bei dir erste Burnout-Warnzeichen bemerkst, können sieben Orientierungs-Schritte dir helfen, die nächsten 24 Stunden zu strukturieren: Nervensystem-Selbstregulation über 4-7-8-Atmung, mentale Last sichtbar machen auf Papier, ärztliche Bestandsaufnahme bei der Hausärztin binnen 24 Stunden, eigene Anspruchsmuster reflektieren mit der Wunder-Frage, körperliche Differentialdiagnostik (Schilddrüse, Eisen, Vitamin D, Cortisol), soziale Unterstützung anfragen, Pensum reduzieren in Absprache mit ärztlicher Bescheinigung. Diese Schritte sind Selbstorientierung, KEINE Heilbehandlung. Bei diagnostizierter Erkrankung gehören sie in ärztliche und psychotherapeutische Hand.
⚖️ Was dieser Artikel ist und was nicht

Burnout ist nach ICD-10 keine eigenständige Diagnose, sondern als Z73.0 als „Problem verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ klassifiziert. Burnout-Symptome können andere medizinische und psychische Erkrankungen verdecken, zum Beispiel Depression (ICD-10 F32), Anpassungsstörung (F43.2), Schilddrüsen-Erkrankungen oder Herz-Kreislauf-Themen. Eine ärztliche Diagnostik ist Voraussetzung für eine zielführende Behandlung.

Dieser Artikel beschreibt Selbstorientierungs-Schritte für die ersten 24 Stunden nach dem Erkennen von Warnsignalen. Er ist keine Heilbehandlung und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Ich bin Heilpraktikerin beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie. Meine Angebote (Beyond Burnout Mentoring, Calm & Clarity Calls, Burnout Blocker Blueprint, Coffee Chat) sind Coaching- und Mentoring-Angebote im präventiven Bereich, keine Heilbehandlung. Bei diagnostiziertem Burnout, Depression oder anderen psychischen Erkrankungen verweise ich an Psychotherapeut:innen oder ärztliche Spezialist:innen.

Geschrieben von Astrid Dietrich, Heilpraktikerin beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie. Methodische Anker: Polyvagaltheorie nach Stephen Porges, lösungsfokussierte Kurzzeittherapie nach Steve de Shazer, Nebenbei-Prinzip für Führungsfrauen im Konzernumfeld.

Warum klassische 10-Tipps-Listen bei Burnout-Warnsignalen nicht reichen

Klartext: Wenn du gerade erste Burnout-Warnsignale bemerkst, ist „mehr Sport machen“ der falsche Tipp. Dein Nervensystem ist nicht zu wenig aktiviert. Es ist häufig zu lange überaktiviert. Mehr Sport kann Cortisol zusätzlich erhöhen. Mehr Yoga am Wochenende reicht nicht, wenn du Montag bis Freitag wieder im Sympathikus-Dauer-Modus hängst.

Definition: Burnout ist ein Zustand emotionaler, körperlicher und mentaler Erschöpfung, der aus anhaltender Überforderung entstehen kann. Maslach (1981) beschreibt drei Dimensionen: emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und reduzierte Leistungsfähigkeit. Burnout ist nach ICD-10 keine eigenständige Krankheit, sondern als Z73.0 („Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“) klassifiziert. Damit ist es kein offizielles Diagnosekürzel, aber ein medizinisches Warnsignal, das ärztlich abgeklärt werden sollte.

Polyvagal-Argument. Stephen Porges beschreibt in seiner Polyvagaltheorie drei autonome Zustände: ventraler Vagus (Sicherheit), Sympathikus (Kampf/Flucht), dorsaler Vagus (Shutdown). Bei chronischer Belastung kann das System in einen Shutdown-Zustand kippen, in dem dein Körper die Notbremse zieht. Mehr Disziplin kann diesen Zustand verschärfen.

Was Orientierung bei Burnout-Warnsignalen deshalb sein muss: präzise auf den Zustand abgestimmt, in den nächsten 24 Stunden umsetzbar, ohne Wattebausch. Wenn du parallel tiefer in die Strukturen einsteigen willst, lies den Pillar-Artikel zur Burnout-Prävention für Führungsfrauen, der die drei Ebenen Nervensystem, Mental Load und Perfektionismus systematisch erklärt.

Polyvagal-Modell drei Stufen Infografik, Burnout als Shutdown-Zustand

Schritt 1: Akute körperliche Aktivierung dämpfen (Selbstregulation, 90 Sekunden)

Bevor irgendetwas anderes funktioniert, kann es sinnvoll sein, deinem Nervensystem zu helfen, aus akuter Aktivierung herauszukommen. Ein bewährter Hebel ist verlängerte Ausatmung. Sie kann den ventralen Vagusnerv stimulieren und den Puls innerhalb von 60 bis 90 Sekunden spürbar senken. Diese Selbstregulation ersetzt keine therapeutische Behandlung, sondern dient der akuten Orientierung.

4-7-8-Atmung in 90 Sekunden: Atme 4 Sekunden durch die Nase ein. Halte 7 Sekunden. Atme 8 Sekunden durch den leicht gespitzten Mund aus. Wiederhole das viermal. Mehr nicht. Du kannst das im Bad, im Auto, vor einem Meeting oder mitten in einer Familien-Eskalation machen.

„90 Sekunden Selbstregulation am Morgen sind alltagstauglicher als 60 Minuten Yoga am Wochenende. Frequenz schlägt Dauer.“

Wer mehr Mikro-Übungen für den Alltag braucht, findet in meinem Artikel zu 7 Vagusnerv-Übungen sieben konkrete 60-bis-90-Sekunden-Techniken. Diese ersetzen kein Therapie-Gespräch, können aber dir innerhalb von wenigen Minuten ein Stück Handlungsfähigkeit zurückgeben. Wichtig: nicht einmal lang, sondern oft kurz. Sechsmal 90 Sekunden am Tag können mehr unterstützen als einmal 30 Minuten am Sonntag.

Schritt 2: Mentale Last sichtbar machen (Mental Load auf Papier)

Wer kurz vor Burnout steht, trägt fast immer eine massive unsichtbare Last im Kopf. Bei Führungsfrauen im Konzernumfeld kommen privater Mental Load und beruflicher Output zusammen. Solange das alles nur im Kopf läuft, kann das System schlecht abschalten.

Mental-Load-Liste auf Papier (15 Minuten): Setz dich hin, nimm Papier und Stift (nicht Notion, nicht Excel), und schreib alles auf, was du gerade „mit im Kopf hast“. Beruflich plus privat. Eltern-Telefonate, Steuerberater-Mail, Kita-Anmeldung, Q3-Forecast, Geburtstagsgeschenk. Nicht sortieren, nur sammeln. Erwartbare Liste: 40 bis 80 Punkte.

Im zweiten Schritt: drei Spalten daneben ziehen. Spalte 1 „bleibt bei mir und ist dringend“. Spalte 2 „kann ich abgeben“. Spalte 3 „kann gerade gar nicht erledigt werden, muss aussetzen oder pausieren“. Erwartbar landen 30 Prozent in Spalte 2 und 20 Prozent in Spalte 3.

Diese Liste ist keine Heilbehandlung. Sie kann aber zwei Sachen, die im Kopf-Modus nicht gehen: Du kannst sehen, was du wirklich trägst, und sie deinem Partner oder Team auf den Tisch legen, statt zu hoffen, dass jemand es von alleine bemerkt. Mehr zum Mechanismus findest du im Artikel „Mental Load: Warum dein Kopf nie wirklich frei wird“.

Schritt 3: Ärztliche Bestandsaufnahme in 24 Stunden (Voraussetzung, kein Selbsthilfe-Schritt)

Klartext: Wenn du Burnout-Warnsignale bei dir bemerkst, ist die Hausärztin in den nächsten 24 Stunden keine Empfehlung, sondern Pflicht. Drei Gründe, jeder einzeln stark genug: Burnout-Symptome können andere ernste Erkrankungen verdecken (Schilddrüse, Anämie, Diabetes Typ 2, kardiologische Themen, Depression nach ICD-10 F32, Anpassungsstörung F43.2). Du brauchst eine ärztliche Bescheinigung, sobald du arbeitsunfähig wirst. Und die Hausärztin kann dich an die richtige Stelle weiterverweisen, wenn deine eigene Einordnung fehlt: Internistin, Psychiaterin, Psychotherapeutin oder Heilpraktikerin Psychotherapie mit therapeutischem Angebot.

Wenn du anrufst, formuliere klar: „Ich brauche einen Termin innerhalb der nächsten 24 bis 48 Stunden wegen anhaltender Erschöpfung, Schlafstörungen und körperlicher Beschwerden. Ich vermute Burnout-Warnsignale.“ Die meisten Praxen haben dafür Notfall-Slots reserviert.

Was im Termin angesprochen werden sollte: Dauer der Symptome, Schlafqualität, Energie-Verlauf über den Tag, kognitive Aussetzer, körperliche Symptome (Herzrasen, Magen-Darm, Tinnitus, Kopfschmerzen), Stimmung, Suizidgedanken (auch wenn schwer auszusprechen). Bei vagen Symptomen: bitte um Blutbild, Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4), Eisen/Ferritin, Vitamin D, Cortisol-Tagesprofil und EKG.

Diese körperliche und psychische Abklärung ist das Fundament. Ohne sie tappst du im Dunkeln und behandelst möglicherweise das falsche Problem.

Schritt 4: Eigene Anspruchsmuster reflektieren (Wunder-Frage)

Burnout-Warnsignale bei Führungsfrauen entstehen selten allein durch Arbeitspensum. Häufig spielt ein hoher Eigenanspruch eine Rolle. Wer ständig 100 Prozent von sich erwartet, in einer Welt, die nur 80 Prozent Ressourcen hergibt, gerät mathematisch in Schieflage.

Die Wunder-Frage nach Steve de Shazer: Stell dir vor, du wachst morgen früh auf, und über Nacht ist ein Wunder geschehen. Deine Erschöpfung ist weg. Aber du weißt davon noch nichts. Woran würdest du als Erstes merken, dass das Wunder passiert ist? Was wäre konkret anders? Welche Person würde es als Erstes bemerken?

Diese Frage kommt aus der lösungsfokussierten Kurzzeittherapie. Sie kann dir helfen, dich aus dem Problem-Tunnel heraus zu orientieren. Sie verlangt keine Analyse, warum du da bist. Sie verlangt eine konkrete Vorstellung davon, wie ein „guter Tag“ aussehen würde. Aus dieser Vorstellung lässt sich der erste kleine Schritt ableiten. Wichtig: Diese Reflexionsübung ist keine Therapie, sondern ein Selbstorientierungs-Werkzeug.

„Die wichtigste Frage bei Burnout-Verdacht ist nicht ‚wie halte ich durch‘. Sondern: ‚wer kann mich morgen begleiten: ärztlich, psychotherapeutisch, sozial‘.“

Im Coaching-Kontext arbeite ich diese Frage mit Klientinnen im präventiven Bereich durch. Wenn du das alleine versuchen willst: schreib die Antworten auf, lass sie 24 Stunden liegen, lies sie noch einmal. Mehr zum Mechanismus findest du im Artikel Perfektionismus ablegen mit der de-Shazer-Methode.

Schritt 5: Körperliche Differentialdiagnostik (durch Hausärztin)

Burnout-Symptome überlappen sich mit anderen ernsten Erkrankungen. Erschöpfung kann Hypothyreose sein. Konzentrationsabfall kann Eisenmangel sein. Brustdruck kann Herzrhythmus-Probleme sein. Innere Unruhe kann Hyperthyreose sein. Reizdarm kann Zöliakie sein. Wer Burnout vermutet, ohne diese körperlichen Themen abzuklären, behandelt möglicherweise das Falsche. Diese Differentialdiagnostik gehört in ärztliche Hand.

Diagnostik-Minimum-Paket (mit Hausärztin abklären):

Untersuchung Warum
Großes BlutbildAnämie, Entzündungswerte
TSH, fT3, fT4Schilddrüsen-Funktion
Ferritin, EisenEisenstatus (Frauen häufig zu niedrig)
Vitamin D (25-OH)Mangel kann Erschöpfung verstärken
Cortisol-TagesprofilStress-Achse
EKG plus Blutdruck-24hHerz-Kreislauf bei vegetativen Symptomen
HbA1c, NüchternzuckerDiabetes-Screening

Burnout vs. Depression: Wer die genannten Symptome plus anhaltende Hoffnungslosigkeit, Antriebslosigkeit über mehr als zwei Wochen oder Suizidgedanken bemerkt, gehört zur Psychiaterin oder in psychotherapeutische Sprechstunde. Eine fachärztliche Abgrenzung ist Voraussetzung für eine zielführende Behandlung. Die AOK liefert eine gute laienverständliche Übersicht zur Stress-Achse als Einstieg.

Schritt 6: Soziale Unterstützung anfragen

Burnout-Warnsignale entstehen nicht in Isolation. Aber sie können sich in Isolation verschärfen. Das ventrale Vagussystem braucht Kontakt zu sicheren Menschen. Wer dauerhaft alleine kämpft, bleibt häufig im Sympathikus oder rutscht in den Shutdown.

Innerhalb von 24 Stunden: Wähl eine Person aus, der du vertraust. Partner, Geschwister, beste Freundin, Schwester, Cousine. Nicht den hilfreichsten oder ratschlagsstärksten Menschen, sondern den ruhigsten. Schreib der Person heute Abend eine Nachricht: „Mir geht es nicht gut. Ich bemerke bei mir Burnout-Warnsignale. Können wir morgen 30 Minuten telefonieren?“

Du musst in diesem Gespräch nichts entscheiden. Du musst die Situation nur einmal aussprechen. Das kann deine eigene Wahrnehmung verändern. Viele Menschen berichten, dass sie nach dem ersten Aussprechen ruhiger schlafen, obwohl objektiv noch nichts gelöst ist. Das ist Co-Regulation, neurobiologisch beschreibbar. Diese soziale Unterstützung ist keine Therapie, kann aber den Weg in eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung erleichtern.

Wer keine geeignete Person im persönlichen Umfeld hat: ein kostenloser 20-Minuten-Coffee-Chat mit mir ist ein neutraler Orientierungs-Anlaufpunkt. Kein Pitch, keine Therapie, keine Heilbehandlung, sondern ein strukturiertes Erst-Gespräch zur Einordnung.

Schritt 7: Pensum reduzieren (in Absprache mit ärztlicher Bescheinigung)

Wer Burnout-Warnsignale bemerkt, muss das Pensum reduzieren. Nicht „demnächst, wenn ich Zeit habe“. Heute. Heute Abend. In Absprache mit der Hausärztin, die ggf. eine Krankschreibung ausstellen kann.

Das Drei-plus-Eins-Prinzip: Drei Mahlzeiten am Tag, davor und danach jeweils 15 Minuten Pause. Sieben oder acht Stunden Schlaf. Plus genau ein weiterer Termin pro Tag. Das ist dein neues Pensum. Mehr nicht.

Beispiel-Tag: Frühstück, ein Meeting, Mittagessen, ein Spaziergang, Abendessen, Schlaf. Oder: Frühstück, Arzttermin, Mittagessen, Telefonat mit der Vertrauensperson, Abendessen, Schlaf. Mehr passt nicht in einen Tag, in dem dein System gerade auf der Notfallreserve läuft.

Wer denkt „das geht beruflich nicht“: das ist genau der Punkt, an dem die ärztliche Bescheinigung relevant wird. Eine kurze Krankschreibung von ein bis drei Wochen ist günstiger als eine sechsmonatige Wiedereingliederung nach klinischer Eskalation. Sprich das mit der Hausärztin offen an.

Was bei chronisch erhöhtem Cortisol passieren kann, wenn man trotzdem weiterdrückt, beschreibe ich detailliert im Artikel zu chronischem Stress bei berufstätigen Frauen.

Wann der Hausarzt JETZT dran ist (kein „später“)

Die folgenden Anzeichen sind keine Empfehlung mehr, sondern medizinische Signale. Bei einem oder mehreren dieser Punkte: Hausärztin innerhalb von 24 Stunden, bei akuter Lebensgefahr Notruf 112.

  • Herzrasen oder Brustdruck über mehr als 20 Minuten, ohne körperliche Belastung
  • Schlaflosigkeit über mehr als drei Nächte hintereinander trotz Erschöpfung
  • Suizidgedanken oder Gedanken an „ich kann nicht mehr“
  • Unkontrolliertes Weinen über mehr als 48 Stunden ohne erkennbaren Anlass
  • Plötzlicher Gewichtsverlust über 3 Kilo in zwei Wochen
  • Vollständiger Verlust der Konzentrationsfähigkeit über mehr als eine Woche
  • Akute Dissoziation („ich bin nicht mehr in meinem Körper“) oder Panikattacken über mehr als 10 Minuten

Eines dieser Symptome plus drei Wochen Dauer ist ausreichende Indikation für eine ärztliche Krankschreibung und psychotherapeutische Sprechstunde. Bei diagnostiziertem Burnout, Depression oder Anpassungsstörung sind Psychotherapie (über Krankenkasse oder privat) oder Heilpraktikerin Psychotherapie mit therapeutischem Angebot die richtigen Anlaufstellen, nicht Coaching oder Mentoring.

Astrids Story: Mein eigener „kurz vor Burnout“-Moment

Ich bin seit über zehn Jahren im Konzern. Erste im Büro, letzte zu Hause, dazwischen ein Tag voller Entscheidungen. Mein Sympathikus lief jahrelang dauerhaft hoch. Vor sechs Jahren saß ich an einem Donnerstagabend im Auto vor dem Bürohaus und konnte den Schlüssel nicht ins Schloss bringen. Nicht weil ich zu erschöpft war, sondern weil meine Hände nicht aufhörten zu zittern.

Ich habe in dem Moment nicht „mehr Yoga gemacht“. Ich habe meine beste Freundin angerufen und gesagt: „Ich kann nicht mehr.“ Sie ist gekommen, hat mich nach Hause gefahren, und ich bin 36 Stunden gar nicht erst aus dem Bett aufgestanden. Am Montag war ich bei meiner Hausärztin. Drei Wochen Krankschreibung, Blutbild, Schilddrüsenwerte, Cortisol-Tagesprofil, EKG. Parallel begann eine ambulante Psychotherapie bei einer approbierten Psychotherapeutin.

Ergebnis: körperlich alles im Limit, aber Cortisol-Tagesprofil komplett invertiert. Das System lag im Shutdown. Was geholfen hat: drei Wochen radikales Drei-plus-Eins-Prinzip, eine wöchentliche psychotherapeutische Sitzung (das ist Therapie, nicht Coaching), tägliche 90-Sekunden-Vagusnerv-Übungen, eine Mental-Load-Liste am Küchentisch mit meinem Partner.

Dieser Moment hat mich zu meinem heutigen Beruf gebracht. Heute begleite ich Frauen, die im PRÄVENTIVEN Bereich arbeiten wollen, bevor Symptome klinisch werden. Wer schon klinische Symptome hat, gehört in ärztliche und psychotherapeutische Behandlung. Ich erzähle diese Story nicht zum Mitleid-Sammeln. Ich erzähle sie, damit du weißt: der Moment, in dem du am Ende bist, ist nicht der Moment, in dem du versagst. Es ist der Moment, in dem dein Körper dich stoppt, bevor etwas Schlimmeres passiert, und in dem du Hilfe brauchst, die über Selbstorientierung hinausgeht.

Key Takeaways

  • Bei Burnout-Warnsignalen können sieben Orientierungs-Schritte dir helfen, dich in 24 Stunden zu strukturieren: Selbstregulation, Mental Load sichtbar machen, Hausärztin-Termin, Anspruchsmuster reflektieren, Differentialdiagnostik, soziale Unterstützung, Pensum reduzieren.
  • Burnout ist nach ICD-10 keine eigenständige Diagnose (Z73.0). Symptome können Depression, Anpassungsstörung oder körperliche Erkrankungen verdecken. Ärztliche Differentialdiagnostik ist Voraussetzung.
  • Die 7 Schritte sind Selbstorientierung, KEINE Heilbehandlung. Sie ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Therapie.
  • Hausärztin in den ersten 24 Stunden ist Pflicht, nicht Empfehlung.
  • Bei diagnostiziertem Burnout, Depression oder anderen psychischen Erkrankungen sind Psychotherapie oder Heilpraktikerin Psychotherapie mit therapeutischem Angebot die richtigen Anlaufstellen. Coaching und Mentoring (auch meine Angebote) sind präventive Begleitung, nicht therapeutische Behandlung.

Häufige Fragen

Wie kann ich mich bei Burnout-Warnsignalen erst orientieren?

Selbstorientierung ohne ärztliche Diagnostik ist nicht zielführend, weil Burnout-Symptome andere medizinische und psychische Erkrankungen verdecken können. Erste Schritte vor dem Arzt-Termin: Nervensystem-Selbstregulation (90 Sek Atmung), Mental-Load-Liste auf Papier, soziale Unterstützung kontaktieren. Innerhalb von 24 Stunden Hausärztin-Termin. Diese Schritte sind keine Behandlung, sondern Vorbereitung auf eine ärztliche Bestandsaufnahme.

Welche Burnout-Phasen werden in der Literatur beschrieben?

Freudenberger und North haben 1992 zwölf Stadien des Burnout-Prozesses beschrieben. In populärwissenschaftlichen Übersichten wird das Modell oft auf sieben Phasen verkürzt: 1. Zwang sich zu beweisen, 2. verstärkter Einsatz, 3. Vernachlässigung der eigenen Bedürfnisse, 4. Verdrängung von Konflikten, 5. Umdeutung von Werten, 6. Verleugnung auftretender Probleme, 7. Rückzug. Wissenschaftlich exakt sind die zwölf Phasen nach Freudenberger und North. Die 7-Phasen-Variante ist eine im Internet verbreitete Vereinfachung. Eine genaue Verortung kann nur eine fachärztliche oder psychotherapeutische Diagnostik leisten.

Wie lange dauert eine ärztlich begleitete Auszeit?

Das hängt von der ärztlichen Diagnostik und Behandlung ab. Realistisch sind in frühen Stadien sechs bis acht Wochen Krankschreibung, in fortgeschrittenen Stadien drei bis sechs Monate. Eine stationäre Reha kann bei klarer Indikation zusätzlich vier bis sechs Wochen dauern. Jede Auszeit braucht ärztliche Bescheinigung und strukturierte Rückkehr-Begleitung. Ohne fachliche Begleitung kann die Rückfall-Wahrscheinlichkeit innerhalb von zwölf Monaten erhöht sein.

Was ist der Unterschied zwischen Burnout und Depression?

Burnout ist arbeitsbezogen und gekennzeichnet durch Erschöpfung, emotionale Distanz und reduzierte Leistungsfähigkeit. Depression (ICD-10 F32) ist eine eigenständige Erkrankung mit Antriebslosigkeit, Freudverlust und oft Hoffnungslosigkeit. Beide können sich überschneiden. Burnout ist nach ICD-10 (Z73.0) keine Diagnose, Depression sehr wohl. Eine fachärztliche Abgrenzung durch Hausärztin oder Psychiaterin ist Voraussetzung für die richtige Behandlung.

Hat man bei Burnout Bluthochdruck?

Bluthochdruck kann ein Begleitsymptom sein, ist aber nicht zwingend. Anhaltende Stress-Aktivierung (Sympathikus-Dauer-Modus) kann zu erhöhtem Blutdruck, Herzrasen, Tinnitus und Schlafstörungen beitragen. Wer Burnout-Warnsignale bemerkt, sollte den Blutdruck zwei Wochen lang täglich messen lassen und ein Belastungs-EKG erwägen, um andere Ursachen ärztlich auszuschließen. Bluthochdruck allein ist keine Burnout-Diagnose, aber ein Warnsignal, das ärztlich abgeklärt gehört.

Hat man bei Burnout Durchfall?

Magen-Darm-Beschwerden treten bei chronischer Stress-Belastung häufig auf, weil der Vagusnerv die Verdauungsfunktionen direkt steuert. Im Dauerstress kann die Darmaktivität sowohl beschleunigt (Durchfall) als auch verlangsamt (Verstopfung) sein. Auch Reizdarm-Symptome, Sodbrennen und Krämpfe können auftreten. Bei länger als vier Wochen anhaltenden Beschwerden ist eine hausärztliche Abklärung wegen anderer möglicher Ursachen wichtig (z.B. Reizdarmsyndrom, Zöliakie, entzündliche Darmerkrankungen).

Fazit: dein Körper redet, wenn du nicht mehr zuhörst

Burnout-Warnsignale fühlen sich wie persönliches Versagen an. Sie sind keines. Dein Körper signalisiert dir, dass das aktuelle Pensum nicht mehr gehalten werden kann. Die sieben Orientierungs-Schritte oben sind keine Reparatur-Liste und keine Heilbehandlung. Sie sind eine strukturierte Brücke in die nächsten 24 Stunden und in eine ärztliche Bestandsaufnahme.

Wenn du diagnostizierten Burnout, Depression oder eine Anpassungsstörung hast oder dich klinisch belastet fühlst, gehört das in ärztliche und psychotherapeutische Behandlung. Approbierte Psychotherapeut:innen findest du über die Therapeut:innen-Suche oder die Terminservicestelle deiner KV (Tel. 116 117). Heilpraktikerinnen Psychotherapie mit therapeutischem Angebot findest du regional über deren Berufsverbände.

Wenn du im präventiven Bereich strukturierte Begleitung suchst (noch keine klinischen Symptome, sondern Burnout-Warnsignale), ist Burnout-Coaching mein 6-Sessions-Mentoring-Angebot. Lösungsfokussiert, alltagsnah, ohne Esoterik. Hinweis: Mentoring ist Coaching, keine Heilbehandlung. Bei klinischen Symptomen erst ärztliche Diagnostik klären.

Wenn du dir unsicher bist, was dein nächster Schritt ist: buch einen kostenlosen 20-Minuten-Coffee Chat. Wir schauen gemeinsam hin, ob du Coaching, Mentoring oder ärztliche/psychotherapeutische Begleitung brauchst. Kein Pitch, nur Orientierung. Keine Heilbehandlung.

Für Selbstlern-Strukturen im präventiven Bereich (noch keine akuten Symptome): das 14-Tage-Selbstlernprogramm Burnout Blocker Blueprint. 10 Minuten täglich, 27 Euro. Hinweis: Nicht geeignet bei akuten oder diagnostizierten Beschwerden.

„Hausärztin in den ersten 24 Stunden ist Pflicht, nicht Empfehlung. Burnout-Warnsignale können andere Erkrankungen verdecken.“
Astrid Dietrich am Schreibtisch in Praxis-Atmosphäre, Heilpraktikerin Psychotherapie

Über die Autorin: Astrid Dietrich, Heilpraktikerin beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie, Zertifizierte Burnout-Prävention. Sie begleitet Führungsfrauen im präventiven Bereich mit Coaching- und Mentoring-Angeboten. Bei diagnostizierten psychischen oder körperlichen Erkrankungen verweist sie an Psychotherapeut:innen, Fachärzt:innen oder Heilpraktiker:innen Psychotherapie mit therapeutischem Angebot. Wissenschaftlich fundiert. Ohne Esoterik. Ohne Heilversprechen. → Mehr über Astrid · Angebote im Überblick · Beyond Burnout Mentoring

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Astrid Dietrich — Burnout-Coach und Heilpraktikerin (Psychotherapie)

ÜBER DIE AUTORIN

Astrid

Astrid Dietrich, Heilpraktikerin beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie. Seit über zehn Jahren im Konzern, parallel begleitet sie Führungsfrauen, die zwischen Karriere und Erschöpfung pendeln. Wissenschaftlich fundiert. Alltagstauglich. Ohne Esoterik. → Mehr über Astrid

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